warum will ich ultra

andere Läufer andere Sitten

Als ich letztes Jahr bei meinem ersten Marathon nach 42,195km ins Ziel kam, fühlte ich mich großartig.

Der Mann mit dem Hammer, vor dem ich mich wahnsinnig gefürchtet hatte, war fern geblieben. Eigentlich hätte ich noch weiter laufen können... und genau daraus entstand die Idee, genau das zu tun : weiter zu laufen.

 

Vielleicht doch mal 50 KM?

In meiner Heimatstadt findet jedes Jahr im November der Herbstwaldlauf statt, bei dem die Distanzen 6,8k, 10k, 25k & 50k angeboten werden. Und auf einmal schienen 50k gar nicht mehr so absurd und der Gedanke reizte mich, die maximale Distanz genau einen Monat nach meinem Marathondebüt zu laufen. 

Ich bemühte also noch am selben Abend Google und fand einen Trainingsplan für 50k in unter 5 Stunden. Vom Trainingsumfang war dieser gar nicht so großartig anders, als das Marathontraining, das ich in den Wochen zuvor ohnehin schon absolviert hatte. Was ein Zufall!

Also beschloss ich, einfach in der entsprechenden Woche vier Wochen vor dem 50k-Wettkampf in den Trainingsplan einzusteigen, wobei mein Marathonlauf am Baldeneysee den ersten Trainingslauf über die Marathondistanz ersetzte.

 

Regeneration vernachlässigt

Das hieß für mich aber auch, einen Tag nach dem Marathon wieder ins Training einzusteigen. Regeneration dachte ich bräuchte ich nicht, schließlich tat mir überhaupt nichts weh!

Ich fühlte mich großartig und absolvierte eine Woche nach dem Marathon einen 38k-Trainingslauf und in der Woche darauf einen weiteren Lauf über die Marathondistanz. Unter der Woche standen außerdem intensive Trainingseinheiten mit Intervallen & Tempotraining mit einem Umfang von etwa 40-50k die Woche an, sodass ich in den Wochen nach dem Marathon fast die 100 Wochenkilometer knackte.

Ziemlich direkt nach dem dritten wirklich langen Lauf in Folge bekam ich die Quittung: ich wachte morgens auf und mir tat alles weh. Wirklich alles. Jeder Muskel, jedes Gelenk. Ich war müde ohne Ende und das Training wurde zur Qual. Der Puls schoss viel zu schnell auf 160/min, die Beine wurden bereits nach wenigen Kilometern schwer. 

Ich hatte es wohl einfach übertrieben und ich war weder mental noch körperlich in einer Verfassung, in der es vernünftig gewesen wäre, einen Ultramarathon zu bestreiten. Das Projekt Ultra wurde also ad acta gelegt und wurde zusammen mit der über das Knie gebrochenen Vorbereitung im Ordner schlechte Erfahrungen unter der Kategorie Übertraining abhakt.

Warum weniger Plan manchmal mehr laufen bringt

Für 2017 waren meine Laufpläne eher bescheiden. Ein Marathon am Anfang des Jahres sollte es sein, da am Ende der Laufsaison ja auch das Staatsexamen anstand. Ich lief also im Mai den Vivawest-Marathon, aber dazu an anderer Stelle mehr.

Ansonsten hatte ich kaum Wettkämpfe gebucht, da ich wusste, dass dafür einfach keine Zeit sein würde. Trotzdem bin ich den ganzen Sommer fleißig gelaufen und habe versucht am Wochenende lange Läufe zwischen 25 und 30 km zu machen, einfach weil sie mir gut tun. Und weil ich sie nicht verlernen wollte.

Im Endeffekt waren am Ende diesen Sommers, in dem ich eigentlich nur nach Gefühl gelaufen bin, meine langen Läufe wesentlich lockerer und meine Tempoläufe wesentlich schneller, als sie es im Mai nach 3 Monaten akribischer Marathonvorbereitung mit Trainingsplan waren für den Vivawest-Marathon waren. 

Schade eigentlich, dass für 2017 kein weiterer Marathon geplant war...

 

das schicksal, neue läufer und neue Ideen

Die Sommer -und Herbstplanung 2017 war bereits abgeschlossen, nach dem Examen sollte es in den Urlaub gehen und von dort aus ziemlich sofort für das Praktische Jahr ins Kranknehaus. Aber dann kam der Zufall und der Urlaub musste aufgrund der Hochzeit einer lieben Freundin noch einmal verschoben werden. Und zwar genau soweit, dass ich pünktlich zum Herbstwaldlauf wieder in der Heimat sein würde...

Der Plan entstand also in meinem Hinterkopf, am Tag nach der Hochzeit unter sicher nicht ganz optimalen Bedingungen 25k aus Spaß an der Freude zu laufen, einfach um in diesem Jahr noch an einer Laufveranstaltung teilzunehmen. 

Als ich dann Anfang Oktober über Instagram einen Bottroper Ultraläufer kennenlernte & wir beim ersten gemeinsamen Longrun ins Gespräch kamen, war die Begeisterung für 50k schnell wieder entfacht. Nachdem ich mich davon habe überzeugen lassen, dass mein Trainingsstand 50 Kilometer hergeben müsste, war ich relativ schnell dazu zu überreden, teilzunehmen. Ich hatte ja sogar eine Begleitung gefunden! 

Relativ spontan meldete ich mich also nach einem Trainingslauf über 43k nur 3 Wochen vor der Veranstaltung spontan an!

 

 

Höher, Schneller, Weiter?

Warum es mich überhaupt reizt, einen Ultra zu laufen?

Ich habe mal einen sehr interessanten Artikel gelesen von einem Ultraläufer der die Meinung vertreten hat, dass der menschliche Körper viel besser für 60, als für 10k -Rennen geeignet sei. Er argumentierte so, dass die menschliche Spezies ja schließlich früher auch nicht mit Schnelligkeit gejagt hat (beim Sprint hätten wir mit unseren Beutetieren kaum mithalten können), sondern mit Ausdauer. Dass unsere Vorfahren ihre Opfer teilweise tagelang verfolgen mussten, bis diesem Tier als Sprinter sozusagen die Puste ausging. Ein ganz interessanter Ansatz wie ich damals fand und immer noch finde.

Außerdem hab ich das Gefühl, dass der Ultraläufer an sich ein ganz anderer Sportler ist als der Marathonläufer. Irgendwie gelassener. Irgendwie entspannter. Weniger an Pace und Trainingsplan orientiert, mehr am Genuss des Laufens.

Nicht schneller, sondern weiter. Nicht besser, schlechter, sondern anders. 

Vielleicht brauchen wir alle ein bisschen mehr Ultra-Mentalität. Und vielleicht macht der Ultra aus mir einen anderen Läufer.

 

der plan

Also werde ich am 5. November versuchen 50k zu laufen, und zwar ganz ohne Zeitdruck. Direkt nach meinem Urlaub und am Morgen nach einer Hochzeit. Sicher nicht ganz optimal vorbereitet und vielleicht nicht ganz nüchtern.

Ich strebe dieses Jahr keine Zeit an und keine bestimmte Pace. Ich habe großen Respekt vor der Strecke und will einfach nur ankommen. Und genießen.

Die Atmosphäre aufnehmen und mich vollkommen entspannen. Ein bisschen Ultraluft schnuppern.

Ich freue mich auf das Event, bin aber auch ein bisschen aufgeregt. Und vor allem neugierig.


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Kommentare: 1
  • #1

    Andreas (Igsdeh) (Freitag, 03 November 2017 07:55)

    Genau diese Mentalität im Ultrabereich ist so toll. Irgendwie kennt fast jeder jeden und es ist wie eine große Familie. Die bist sofort aufgenommen und dir wird bei Probleme geholfen.
    Es ist einfach schön und stressfrei im Bereich >42,195km zu laufen.
    Toll, dass du so für dich entschieden hast