sport mit erkältung

Warum eine Sportpause sein muss

Die feuchte Jahreszeit kommt und wir alle kennen es. In der Uni nießt es in jeder Reihe, auf der Arbeit meldet sich einer nach dem anderen krank. Überall ist irgendjemand erkältet und es ist oft nur eine Frage der Zeit, bis es uns auch erwischt.

Wenn ich das erste Kratzen im Hals spüre, negiere ich oft noch. Auch wenn der Nachtschweiß dazukommt und die Nase zu laufen beginnt. Ist doch nur ‚ne kleine Verkühlung. Passt auch gerade ganz schlecht, am Wochende muss ich arbeiten und nächste Woche stehen wichtige Klausuren an. Oder im Training läuft es gerade so gut.

 

den körper ignorieren

Man schont sich also nicht, frei nach dem Motto, was ich ignoriere, ist auch nicht da. 

Manchmal hat man Glück und es wird nicht schlimmer. Manchmal tritt aber auch der Worst Case ein, man wacht eines morgens auf und es geht gar nicht mehr und der Körper holt sich, was er schon die ganze Zeit gebraucht hätte: Ruhe.

 

was ist krank genug?

In der Situation fällt es nicht schwer, das Richtige zu tun: Wer fiebernd im Bett liegt, der wird kaum laufen gehen.

Schwierig wird es in der Grauzone, vor, nach oder bei einer leichten Erkältung. Die Nase läuft, der Hals kratzt und man überlegt sich, dass ein bisschen Sport wohl kaum schaden kann. Oder?

 

herzmuskelentzündung, der unsichtbare elefant

Schon bevor ich irgendetwas mit Medizin zu tun hatte, hab ich die Horrorgeschichten über Herzmuskelentzündungen gehört. Der Vater einer Freundin beispielsweise, engagierter Freizeitsportler, hatte eine Erkältung ignoriert, weitertrainiert und musste später am Herzen operiert werden. Wie sich herausstellte, hatte er durch eine Herzentzündung einen Herzklappenschaden davon getragen. Die Folge für ihn:  Klappenersatz, Sportpause von einem Jahr und nie wieder das Leistungsniveau von vorher zu erreichen.

 

Myokarditis = Herzmuskelentzündung

Aber was ist eine Herzmuskelentzündung überhaupt und wie entsteht sie? Anders als die Endokarditis, die Entzündung der innersten Herzwand, wird die Myokarditis oft durch Viren hervorgerufen, trifft vor allem junge und herzgesunde Menschen. Viren sind auch meist die Erreger von grippalen Infekten oder dem, was wir unter Erkältung / Common Cold verstehen.

Man geht davon aus, dass bis zu 5% aller viralen Infekte, mit einer Entzündung des Herzmuskels einhergehen. Die Symptome sind oft sehr unspezifisch und können aus einfacher körperlicher Abgeschlagenheit und Leistungsminderung bestehen, also das, was wir bei einem grippalen Infekt ohnehin beklagen. Manchmal kommt auch Schmerz in der Herzgegend (bei Entzündung des Herzbeutels) oder Herzstolpern dazu, nämlich wenn das Reizleitungssystem des Herzens betroffen ist.

Und genau hier wird es problematisch. Durch Störungen des Reizleitungssystems kann es zu lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen kommen, durch einen Untergang der Herzmuskelzellen, die sogenannte Myozytolyse zu akutem oder chronischem Herzversagen. Sowohl Herzrhythmusstörungen, als auch das akute Herzversagen stellen Ursachen für den plötzlichen Herztod dar und sind der Grund, warum junge Menschen mit grippalen Infekten manchmal am nächsten Morgen nicht mehr aufwachen. In Autopsiestudien wurde berichtet, dass bis zu 10% der jungen, plötzlich an unklarer Ursache verstorbenen Menschen an einer Myokarditis litten.

Weitere Komplikationen sind die chronische Herzinsuffizienz, das heißt das Herz ist aufgrund der untergegangen Muskelmasse dauerhaft nicht mehr in der Lage, die für die Aufrechterhaltung des Körperkreislaufes nötige Pumpleistung zu erbringen. 15% der Erkrankten entwickeln außerdem eine sogenannte dilatative Kardiomyopathie, das heißt eine Herzmuskelschwäche, die mit einer Aussackung und Erschlaffung des Herzens einhergeht. Die Folge ist dieselbe, das Herz arbeitet nicht mehr so gut wie vorher, die Leistungsfähigkeit leidet unwiderruflich.

Ihr seht also, ein nicht ernst genommener Infekt, ein trotzdem durchgezogenes Training, kann verheerende Folgen haben.

 

wie gehe ich mit Infekten um?

Ich bin selbst ein Mensch, der immer zu 110% funktionieren will. Trotzdem bin ich vorsichtig, wenn es um das Thema Training und Erkältung geht. Setze lieber einen Tag länger aus, als ich möchte. Höre auf die Signale meines Körpers und lasse es langsam angehen.

Hier meine Tipps zum Thema Sport und Erkältung:

  • Fieber, Husten, Auswurf, Nachtschweiß oder Abgeschlagenheit und Gliederschmerzen = kein Sport
  • Nase läuft, nur klares Sekret = Sport in geringerer Intensität
  • Ich fühle mich fit, habe das Gefühl ich kann wieder starten = ich warte noch 24h ab
  • Nach dem Infekt wieder einsteigen = die ersten 2 Trainingseinheiten absolviere ich im GA1-Bereich siehe Post zum Thema Laufen nach Herzfrequenz
  • Alternativen während der Sportpause : Stretching, Wettkampfplanung, YouTube-Videos meiner Lieblingssportler anschauen
  • Geduld, Geduld, Geduld

 

Also ihr Lieben, schont euch!

Ich hoffe, ich konnte mit diesem Post nochmal aufzeigen, wie wichtig es ist, dem Körper eine Pause zu gönnen, wenn er krank ist und euch das pausieren etwas leichter machen.

In diesem Sinne, auf eine vernünftige Grippesaison!

 

 

PS. Für Erwachsene über 60, Schwangere, chronisch Kranke, Menschen die mit Risikopersonen Kontakt haben und Menschen mit besonderer beruflicher Gefährdung empfiehlt die STIKO (Ständige Impfkomission) die Impfung gegen das Influenzavirus. Der Impfstoff wird jährlich angepasst und ist aktuell wieder in allen Hausarztpraxen erhätlich.

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    @rolfbe69 (Samstag, 04 November 2017 13:37)

    Guter, informativer Beitrag. Wenn man einmal die Liebe zur Bewegung entdeckt hat fällt es so schwer zu pausieren. Wie wichtig es jedoch ist hast du sehr eindrucksvoll beschrieben. Danke dafür und liebe Grüße.

  • #2

    Kurt_ohne_Hemd_und_ohne_Gurt (Sonntag, 05 November 2017 20:42)

    Sehr guter Beitrag von dir!

    Wenn du mal Ärztin bist, komme ich gerne in deine Praxis! :)