Drei TAge in Berlin- Der Deutsche Kongress für Psychosomatik

Zwischen Studien, Muffins und Sport in der HAuptstadt

Ihr Lieben, hier kommt der versprochene Artikel zu meinem Aufenthalt in Berlin !

Wart ihr schon mal in Berlin ? Ich erst einmal, mit meinen Eltern zum Sightseeing. Das ist schon einige Jahre her und dieses Mal war der Anlass ein ganz anderer. 

Aber vielleicht fang ich erstmal vorne an. 

Nach dem ersten Staatsexamen habe ich mit meiner Doktorarbeit angefangen, ich promoviere am Institut für Psychiatrie und Psychosomatik der Universität Duisburg Essen über das Thema „Chronische Schmerzerkrankung und Paarbeziehungen“.  Das Thema chronische Schmerzen und auch somatoforme Schmerzen oder eher gesagt somatoforme Störungen im Allgemeinen fasziniert mich seit Beginn des Studiums. Also im Prinzip die Frage, wie Defizite in der psychischen Gesundheit körperliche Symptome verursachen können. Wenn die Seele den Körper krank macht, sagen manche. Wie man es auch beschreibt, es handelt sich bei somatoformen Störungen um ein riesiges Krankheitsspektrum, das noch großenteils unverstanden ist und in dem es noch sehr viel Forschungspotential gibt. Umso glücklicher bin ich, dass ich durch meinen Doktorvater die Möglichkeit bekommen habe, mich genau mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Mitwoch, 21.03.2018

Anfang Januar bekam ich eine Rundmail meines Doktorvaters, in der er von einem Reisekostenstipendium berichtete, das der Deutsche Kongress für Psychosomatik in Berlin für 20 Studenten ausgeschrieben hatte.

Da ich diese Gelegenheit zum Austausch mit anderen Medizinern aus Klinik und Forschung,  aber auch die Einblicke in andere Arbeiten sehr gerne nutzen wollte, habe ich mich dafür kurzerhand beworben. 

Das Ganze war schon wieder in Vergessenheit geraten, als ich dann einige Wochen später die Zusage erhalten habe. Gefreut habe ich mich umso mehr! 

So hieß es dann also ein bisschen Gas geben beim Schreiben des Ergebnisteils meiner Doktorarbeit (ein Motivationsschub, den ich dringend nötig hatte, eine Präsentation vorbereiten und dann ging es am Mittwoch den 21.03.2018 auf nach Berlin!

Morgens vor fünf noch einen Early Bird Run erledigt, gemütlich gefrühstückt und dann mit der Deutschen Bahn ab in die Hauptstadt. Am Mittag angekommen habe ich im Hotel eingecheckt und mich schnell in die seriöseren Klamotten geschmissen. Eine Stoffhose habe ich tatsächlich vorher nicht besessen, die musste am Abend vorher noch schnell besorgt werden. Meine Sammlung an Sporttights hingegen ist legendär und euch längst bekannt. 

Es ging dann also zur Begrüßung der Stipendiaten, unter anderem durch den Kongresspräsidenten Herrn Prof. Dr. Matthias Rose. Eine super nette Atmosphäre und ein warmer Empfang erwarteten uns.

Danach gab es dann die offizielle Einführungsveranstaltung mit diversen Grußworten und dann eine total spannende Carus Lecture, gehalten von Prof. Richard G. Wilkinson aus London und zwar zum Thema : Sind gerechtere Gesellschaften gesünder?

Vielleicht kennt ihn der eine oder andere von euch, er hat auch das Buch „Gleichheit : warum gerechtere Gesellschaften besser für alle sind“ geschrieben. Es geht darum, dass Krankheiten viel seltener sind in Gesellschaften, in denen die Schere zwischen den Ärmsten und den Reicheren kleiner ist. Das Gesundheitssystem wird also weniger belastet, wenn wir das vorhandene Vermögen gerechter aufteilen. Warum also tun wir das nicht? 

Wirklich ein spannender Vortrag und das Buch, das ich bisher nur in Auszügen kenne steht nun definitiv auf meiner Leseliste. 

Danach gab es dann noch Wein und einen Posterwalk. Das heißt man konnte sich diejenigen Studien, die auf Postern präsentiert wurden, schon mal in Ruhe ansehen und bei einem Glas Wein miteinander ins Gespräch kommen. 

Danach bin ich dann mit einer Kommilitonin, die momentan in Berlin wohnt, essen gegangen. Unsere Wahl fiel auf das Vollblut, einen kleiden Laden in einer Seitengasse nahe des Wittenbergplatzes. Das war genau so ein ‚Hipster- Laden‘ war, wie ich ihn mir als Kleinstadtkind Berlin vorstelle!

In Wohnzimmeratmosphäre haben wir für 10 Euro eine große Limo und eine Buddhabowl gegessen und sogar den deutschen Schauspieler Frederick Lau getroffen. Ihr kennt ihn vielleicht aus dem Film „Die  Welle“ ?!?

An diesem Abend bin ich gegen zehn einfach nur noch platt ins Bett gefallen!

Donnerstag, 22.03.2018

Am Donnerstag den 22.03.2018 bin ich dann früh aufgestanden, hab ein Bodyweight Workout absolviert und bin dann zu den lieben Mädels von sweetkitcen in die Wissmannstraße gefahren. Eine halbe Stunde war ich bis zum Hermannstor mit der U-Bahn unterwegs, aber die süßen Leckereien die im Internet gehyped werden, wollte ich mir nicht entgehen lassen!

Mit einem köstlichen Zupfkuchenmuffin gestärkt und weiterem Gebäck im Gepäck ging es dann zurück zur Urania. Dort hörte ich zuerst eine Vortragsreihe zum Thema psychosomatische Aspekte der Adipositas, ein Thema das mich persönlich sehr interessiert. Es ging hier vor allem um die Zusammenhänge auch im Bezug auf bariatrische Operationen (also Operationen, die beim Abnehmen helfen) und inwieweit diese indiziert sind, wenn das Übergewicht aufgrund seelischer Probleme entstanden ist. Das war für mich vor allem deshalb interessant, weil ich während  meines Chirurgietertiales oft bei bariatrischen Operationen assistiert habe und auch mit dem Patientemn gesprochen habe, die zu solchen Eingriffen in der Klinik aufgenommen worden sind. Gerade wenn Übergewicht als Schutzmechanismus (z.B als Folge eines Traumas) dient oder die Nahrungsaufnahme als Ventil dient, kann es problematisch sein, wenn genau das dem Patienten durch die Operation weggenommen wird. Durch den Vortrag konnte ich mir diesbezüglich noch eine differenziertere Meinung bilden und Vermutungen und Hypothesen durch Studien bestätigt oder widerlegt sehen.

Am Mittag ging es dann zu einem Mentoring Lunch, zu dem ich mich im Vorhinein bereits angemeldet hatte. Es handelte sich dabei um eine, von der Leitung des Kongresszentrums  Frau PD Dr. Hinkelmann ins Leben gerufene Veranstaltung, bei der es speziell um den Austausch von jungen mit erfahreneren Frauen ging, die erfolgreich eine wissenschaftliche Karriere eingeschlagen haben. 

Es gab eine gut gewürzte Kürbissuppe (gut, dass ich gerne scharf esse) und die Anwesenden hatten die Möglichkeit den drei Mentorinnen,  die allesamt bemerkenswerte Werdegänge aufzuweisen haben, Fragen zu stellen. Es ging hier vor allem um die Vereinbarkeit einer wissenschaftlichen Karriere mit Familienplanung und darum, warum so viele Frauen nach der Promotion aufhören zu forschen, sodass es in Professuren und Habilitationen wesentlich mehr Männer als Frauen gibt.

Dort habe ich meine Suppe gelöffelt und gebannt gelauscht, was Fragestellende und Mentorinnen zu berichten wussten.

Nicht wirklich gesättigt ging es dann in die nächste Veranstaltung (gut, dass ich immer Snacks dabei habe :D)

Im Rahmen eines Mini - Talks zum Thema Schmerz et.al. durfte ich dann nachfolgend die Ergebnisse der von mir durchgeführten Studie präsentieren. Das hat Spaß gemacht, war eine gute Erfahrung und auch die anderen Referenten in dieser 90-minütigen Vortragsreihe hatten spannende Erkenntnisse zu berichten! Hier konnte ich die ein oder andere Anregung mitnehmen, die mir sicher im Diskussionsteil meiner Dissertation helfen wird. In diesem Teil geht es vor allem darum, die Ergebnisse der Studie im Kontext zu interpretieren und zu bewerten. 

Nach dem Mini–Talk ging es dann zur nächsten Forschungsreihe, einer Veranstaltung zum Thema Traumafolgestörung. Besonders interessant: “Visuospatiale Tasks zur Reduktion von Intrusionen“ und 

„The role of continuous recall simultaneous with playing Tetris in reducing intrusive memories”. Zwei Forschungen mit kontroversen Ergebnissen und viel Diskussionsbedarf.

Dann war es bereits 17 Uhr, ich hatte das Gefühl lange genug in sauerstoffarmen  Räumen gessesen zu haben und freute mich auf den geplanten Tempolauf mit den Adidasrunnern an der Runbase. Es ging also schnell ins Hotel , wo ich einen kleinen Nachmittagshunger mit dem Erdbeerkuss von Sweetkitcen stillte (und die Mädels hatten nicht zu viel versprochen!!! Ein Traum...) und mich dann in Laufklamotten warf. 

Wintermantel drüber und los ging’s mit der U-bahn zum Schlesischen Tor. Von hier noch einen knappen Kilometer zu Fuß, Googlemaps sei Dank habe ich durch das dunkle Kreuzberg zur rumbände gefunden. Und ein wenig bereut, dass ich hier nicht im Hellen und zum Bummeln und Essen herkam! So viele quietschige, verrückte Läden, aus jedem kleinen Kaffee ein wunderbarer Duft und Bunte Restaurants mit dem Angebot von Küchen aus aller Welt.

Angekommen an der Runbase traf ich Pascal, der mir über Instagram von dieser Laufcommunity berichtet hatte. Ich konnte meine Sachen verstauen und nach dem die restlichen Läufer eingetrudelt waren, trabten wir in ein nahegelegenen Sportstadion. Hier gab es unter Anleitung vom Trainer ein gutes Lauf ABC , ein paar Steigerungen und dann fingen wir auch schon mit 400m Läufen an, 200m Trabpause. Auf meinem Plan standen sechs, sodass ich sechs Intervalle Vollgas gegeben habe. Einige davon in 1:27min und eines mit persönlicher Anfeuerung durch den super motivierten und motivierenden Trainer!

Dann habe ich noch für vier Intervalle versucht eben diese Motivation für andere zu sein und los und nach einer langsamen Runde zum Jacke einsammeln liefen wir wieder Richtung Base zurück. 

Über die Pascalsche Begleitung zur U-Bahn war ich ganz froh, genauso darüber, dass er sein einziges Stück Bananenbrot mit mir geteilt hat!

Auf dem Weg zurück habe ich die Nachricht von einer Mitarbeiterin aus dem Institut gelesen, dass  einige  Kollegen  gemeinsam zum Italiener gegangen waren,. Da der direkt an meiner Haltestelle lag und ich ohnehin nach dem Laufen Hunger bekommen hatte, schloss ich mich der Gruppe also noch für ein italienisches Abendessen an!

Einer Proteinwaffel aus meinem Vorrat konnte ich aber als Nachtisch im Hotel trotzdem nicht widerstehen.  Viel zu spät landete ich im Bett!

Freitag, 23.03.2018

Und wurde am 23.03. um halb sechs unsanft aus den tiefsten Tiefschlafphasen gerissen. Ich hatte mich vorher schon zeitweise gewundert, was das hartnäckige vibrieren und unnachgiebige Brummen in meinem Zimmer verursachte. Ich hatte den Reinigungsraum direkt nebenan im Verdacht. Eventuell hatte man mich direkt neben der hoteleigenen Wäscherei untergebracht?

An schlafen war jedenfalls kein Denken mehr. Kissen auf die Ohren gedrückt, Ohrläppchen eingeklappt, nichts half. 

Nach einer kurzen Frustphase beschloss ich, das Beste daraus zu machen. Sportsachen angezogen und das Hotelgym besucht. Oh Wunder, ich war die erste. Ich entschied mich für eine halbe Stunde Spinning und ein paar Übungen mit den Kettlebells. Dann auf dem Zimmer noch ein Bodyweightworkout zu den Tagesnachrichten und eine schnelle Dusche, sodass ich bereit fürs Frühstück war.

Ich liebe Frühstück und ich liebe Hotelfrühstück. Hier muss ich immer alles probieren…

Kugelrund rollte ich also am Freitag pünktlich zur ersten Veranstaltung: Opto – und Chemogenetik. Hier ging es um neurobiologische Vorgänge und ihre Bedeutung für die Verhaltensforschung. 

Nachdem ich vor allem im ersten Vortrag über molekulare Neurobiologie und die Stimulation verschiedener Nervenzellen durch Licht nicht allzu viel verstanden hatte, entschied ich mich für die zweite Veranstaltung dieses letzten Tages einen klinischen Schwerpunkt zu wählen und so fand ich mich nach einem schnellen Checkout, für den ich zurück zum Hotel düsen musste, für die Vortragsreihe Essstörungen-  Wirksamkeit psychologischer und medizinischer Behandlungen wieder in der Urania ein. Hier ging es vor allem um die Therapie der Anorexia nervosa, Bulimie und Binge Eating Störung. Auch ein Thema, dass ich persönlich total spannend finde. 

Mal wieder fand ich es schade, nicht mehrere Vorträge parallel besuchen zu können. Auch Psychooonkologie und den Mini-Talk Psychotherapie hätte ich gerne gehört.

Ich habe in diesem drei Tagen gelernt, dass der Mangel der menschlichen Fähigkeit, an mehreren Orten zeitgleich zu sein und der Sauerstoffmangel in Vortragsräumen limitierende Faktoren der Wissensaufnahme bei einem Kongress sein können. 

So konnte ich auch leider nicht den Mini-Talk meines Doktor Vaters hören, der erst referierte, als wir bereits im Zug saßen.

Ich begab mich also schon am Mittag zur Friedrichsstraße um die liebe Vanessa zu treffen, die  verletzungsbedingt nicht bei der Temposession dabei sein konnte. Wir trafen uns stattdessen auf einen Chai tea latte für sie und einen Toffee nut Latte für mich, Waffel und Suppe in einem niedlichen Kaffee, quatschten und ich war mal wieder fasziniert, dass hier gleich die zweite nette Begegnung durch Instagram entstanden war.

Netterweise wurde ich noch zum Hauptbahnhof begleitet, wo ich dann kurz vor der Abfahrt des Zuges auf die Mitarbeiter aus dem Institut traf. Gemeinsam enterten wir nach einer nervtötenden Schulklasse den Zug und nun sitze ich hier, esse einen Muffin mit Kokos und weißer Schokolade und weiß jetzt wo Gütersloh liegt (gerade durchgebraust!)

Fazit

Für alle, die beim Lesen dieses ewiglangen Textes zwischendurch abgeschaltet haben kommt hier eine Kurzzusammenfassung : Ich habe drei spannende Tage erlebt, voller interessanter Wissensinhalte und neuer Denkanstöße, netter Kontakte und süßen Gebäcks.

Ich bin sehr dankbar für das  Reisekostenstipendiums, das mir diesen aufregenden Aufenthalt ermöglicht hat.