Warum vegan

wie aus KEbapfluencer - Falafafelfluencer wurde

In den letzten Wochen fragen Freunde, Familie und andere, nicht genauer spezifizierte Mitmenschen: Bist du jetzt eigentlich auch Vegetarier?

Meistens klingt es abwertend, genervt, manchmal auch einfach neugierig, skeptisch.

Meine Antowort: Nein, schlimmer.

Nie nie nie hätte ich es für möglich gehalten, dass ICH, Marie, fleischfressende Pflanze, eines Tages mal zur veganen Ernährung wechsle.

Ja, dass Tiere falsch gehalten werden, übermäßiger Fleischkonsum unserer Gesundheit schadet und der Umwelt obendrein, das ist uns ja irgendwie allen bewusst. Aber was ändern? Dazu war ich sehr sehr lange nicht bereit.

Ich habe aus dem Artgerechtigkeitsgedanken heraus darauf geachtet, wo das Fleisch herkam, dass auf dem Teller landete. Meine Eltern kaufen seit etwa zehn Jahren nur noch Fleisch von einem Biometzger, der seinen Hof und Schlachtbetrieb persönlich kennt. Wenn ich beim Dönermann nebenan oder der Burgerschmiede mit den saftigen Pattys war, dann war es mit der Herkunft natürlich ohnehin fraglicher.

Immer wieder trug ich mich mit dem Gedanken, dauerhaft auch Fleischkonsum zu verzichten. Wirklich durchgerungen habe ich mich nie.

Dann kam Weihnachten, die Feiertage und endlich die Zeit, ein paar Zeitungsartikel zu lesen, die ich mir schon lange auf die Leseliste gepackt hatte.

Ich las also, über den Klimawandel, den weltweiten Anbau von Tierfutter, von Co2-Bilanzen und Bioschlachtern. Habe die gesamte Debatte über Ferkel-Kastration nochmal medientechnisch nachvollzogen. Ich schaute Hope for all (schlecht), Earthlings (gut) Forks over knifes (gut) Live and let live (lala) und Meat the truth (gut). Ich war... angeekelt, schockiert. Aber im Grunde genommen war das ja auch nichts, was man nicht eh weiß. Und verdrängt. Und deswegen war ich in erster Linie: unfassbar traurig.

Am Morgen nach Heilig Abend (an dem es bei uns traditioneller Weise Fleisch-Fondue gibt- welche Ironie!) hab ich beschlossen- ich esse kein Fleisch mehr. Vielleicht noch Fisch (jajaja ich weiß, genauso schlimm) aber ich wollte den Versuch wagen, komplett auf Fleisch zu verzichten.

Einen Tag später waren wir bei meinem Onkel und es gab Hirschugulasch, Semmelknödel mit Speckwürfeln und Rotkohl mit Mettwürstchen. Haha.

Zwei Tage später ging es in den Urlaub. Der lang ersehnte und seit Jahren besparte Traum einer Fernreise, 14 Tage All Inclusive, faul am Strand liegen.

Vorher dachte ich, es wäre ein blöder Zeitpunkt die Ernährung umzustellen. Im Nachhinein war er perfekt.

Ja, der Geruch von frisch gebratenen Burgern, Bacon and Eggs, Chili con Carne und frisch gegrilltem Lachs war verlockend. Aber irgendwie war ich trotzdem nur sehr selten in Versuchung. Mein Entschluss stand fest.

Und als ich nach einer Woche ohne Fleisch merkte, dass das Verlangen nach Fleisch in keinem Verhältnis zu der Freude, keinen Tiertod zu verursachen stand, beschloss ich, dass es auch vegan gehen würde.

Dabei ist es mir wichtig, dass es nicht in Fanatismus ausartet (da ich ja weiß, dass ich ein ganz oder gar nicht Mensch bin). Wenn ein Produkt nicht vegan ist, weil es Spuren von Eiern oder Milch enthalten kann, esse ich es. Wenn mein Papa für mich eine wahnsinnig tolle und aufwendige Hochzeitstorte backt und sie Butter enthält, dann ist das so. 

Aber tatsächlich ist das Stück Hochzeitstorte seit dem 01.01. auch die einzige Ausnahme geblieben.

Denn es ist gar nicht schwer, sich vegan zu ernähren! Das Internet ist voll von veganen Rezepten, Kitchen Hacks, Lifesavern! Kuchen, Schokolade, Sahne, ja sogar Käsesauce (natürlich ohne Käse)- kein Problem! Die Supermärkte sind voll von Ersatzprodukten. Ich muss nicht auf Schokolade, Joghurt oder Pizza verzichten, aber bin auch viel kreativer in der Küche geworden. Und es gibt so vieles, das ich noch ausprobieren möchte!

Am Anfang war für mich das größte Problem:

Was esse ich denn nun statt Quark und Eier? Meine beiden liebsten Proteinquellen, wenn es schnell gehen muss. Ich höre oft von Sportlern die sagen, ohne tierisches Protein bin ich nicht leistungsfähig. Was ich mich dann irgendwann gefragt habe... Rechtfertigt meine sportliche Leistungsfähigkeit denn, dass ein Tier als Nahrungslieferant missbraucht wird? Dass ein Kalb seiner Mutter entrissen und ein Huhn in einer Legebatterie groß wird? Dass männliche Küken geschreddert werden? Wer entscheidet, dass es wichtiger ist, dass ich Muskeln aufbaue, als dass Tiere in Würde leben?

Als ich mir diesen Gedanken machte, war eigentlich klar, dass es auch ohne gehen wird.

Ich feiere den Sojaquark, den es mittlerweile in vielen Supermärkten gibt. Tofu gewürzt mit Kala Namak (Schwefelsalz) und gefärbt mit Kurkuma, schmeckt fast wie Rührei. Hülsenfrüchte sind großartige Proteinlieferanten und nebenbei voll mit Vitaminen und Ballaststoffen.

Es geht mir tatsächlich fantastisch, mit dieser Art der Ernährung und ich frage mich, warum ich nicht viel früher umgestellt habe. Ich weiß warum- weil ich dachte, dass das niemals funktioniert. Dass Veganer eine sehr spezielle Sorte Menschen sind, die ständig versuchen, ihr Umfeld zu missionieren.

Und ja, es gibt solche Menschen. In Facebook-Gruppen zum Rezepte-Austausch werden Menschen angefeindet, die Produkte mit Palmfett oder Kichererbsen essen. Denn Kichererbsen kommen nicht vom regionalen Biohof. Es werden Menschen beschimpft, die Fleischersatzprodukte kaufen, da man als 'echter Veganer' den Geschmack von Fleisch doch 'einfach nur ekelhaft' zu finden habe.

Mir ist es wichtig, klar zu machen, dass ich niemanden Verurteile. Nicht den, der Fleisch isst, nicht den, der seine Kinder vegan groß zieht. Nicht den, der kein Fleisch ist, aber Fisch und nicht den, der seine Schnitzel beim Discounter kauft. Wir alle haben unsere Gründe, für das was wir tun.

Ich würde mich freuen, wenn ich Menschen dazu anregen kann, sich Gedanken zu machen-

Gedanken darüber, was unser Aufenthalt auf diesem Planeten und vor allem unser Verhalten währenddessen auslöst

welche Spuren wir hinterlassen und welchen Ort wir für unsere Nachfahren erschaffen

wer entscheidet, was richtig ist und was falsch und wer entscheidet, warum wir manche Tiere wie Menschen behandeln und andere essen.

Wer sich Gedanken gemacht hat, der soll sich so verhalten, wie er es für richtig hält, und es gibt keinen Grund, ihn bekehren zu wollen: denn ein freundliches Miteinander besteht aus Akzeptanz und Toleranz. Mir ist nur wichtig, dass das Verhalten, dass wir an den Tag legen, bewusst ist und bei mir war es das was den Konsum tierischer Produkte angeht, definitiv für sehr lange Zeit nicht.

Ich kann mir aktuell nicht vorstellen, wieder mit dem Fleischessen anzufangen, aber wer weiß, vielleicht werde ich es eines Tages. Vielleicht auch nicht. Auf jeden Fall, werde ich diese Entscheidung von nun an bewusst treffen.

Ende der Geschichte.

Über Eure Gedanken zum Thema freue ich mich wie immer in den Kommentaren.

 

 

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